Datenschutz im Internet - betrifft uns alle

Die meisten Menschen finden Privatsphäre irgendwie wichtig, die wenigsten setzen sich mit dem Thema aber wirklich auseinander.
— Süddeutsche Zeitung

Datenschutz rückt im Internet nicht erst seit der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO und dem TDDDG) zunehmend in das Bewusstsein der meisten Nutzer. Galt Datenschutz im Netz früher eher als wirtschaftliches Hemmnis und Netzbremse, so führten zahlreiche Missbrauchskandale und öffentliche Berichterstattung zu mehr Bewusstsein und Sensibilität. Doch die meisten relevanten Unternehmen agieren international und haben ihren Sitz oft in Staaten wie den USA, deren Datenschutz-Standards nicht den europäischen oder deutschen Vorstellungen entsprechen. Europäische Anbieter sehen sich auf der anderen Seite einer Vielfalt an Datenschutz-Anforderungen ausgesetzt, wie man den Rechtstexten von Onlineshops entnehmen kann.

Daher ist nicht zuletzt der einzelne Nutzer im Rahmen seiner Anwendungen gefragt, bewusst mit seinen Daten umzugehen und gegebenenfalls 'Altlasten' wieder zu löschen (Reputationsmanagement). Um diesen digitalen Fußabdruck geht es auf Datenwachschutz.de. Die Seite soll Nutzer für Datenschutz im Internet sensibilisieren und Hilfestellung geben, Kontrolle über die eigenen Daten wieder zu erlangen.



DAS INTERNET VERGISST NIE (2012) x KURZFILM
DAS INTERNET VERGISST NIE x KURZFILM

Video von YouTube laden. Dabei können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Hinweise zum Datenschutz

Online-Reputation - Schlüsselfaktor Reputationsmanagement

So sieht es aus: Die Informationsbeschaffung über Dich, als zukünftige Arbeitskraft, findet mittlerweile hauptsächlich nur noch über das Internet statt. Dabei verzichtet ein Großteil der Unternehmen sogar vollständig auf die Schaltung von Stellenanzeigen in Print-Medien und verlässt sich bei der Arbeitnehmersuche demnach komplett auf das weltweite Datennetz. Schließlich lassen sich online größere Personenkreise ansprechen – und zwar überregional sowie kosteneffizient – und somit deutlich mehr Bewerber generieren als über herkömmliche Rekrutierungskanäle. Eine US-Umfrage hat ergeben, dass rund 20% der Arbeitgeber bereits virtuelle Netzwerke zum Reputations-Check nutzen. Die Anzahl der potentiellen Arbeitgeber, welche zukünftig darauf zurückgreifen werden, ist steigend. Dazu kommen soziale Netzwerke, reichweitenstarke Berichterstattung im Netz etwa bei Fernsehformaten wie DHDL (Die Höhle der Löwen) oder Archivdienste in Verbindung mit immer umfangreicheren Suchmaschinen.

Vor allem die folgenden Punkte habe sich für die Personaler als relevant herausgestellt:
  • 41 Prozent suchen nach Hinweisen auf Alkohol- oder Drogenkonsum.
  • 40 Prozent interessiert, ob sie dort diskreditierende Fotos in den Profilen finden.
  • 29 Prozent schätzen so die kommunikativen Fähigkeiten ein.
  • 28 Prozent fahnden nach übler Nachrede über Ex-Arbeitgeber oder -Kollegen.
  • 27 Prozent achten auf falsche oder zweifelhafte Qualifikationen.
  • 22 Prozent schrecken unprofessionelle Profilnamen ab.
  • 21 Prozent suchen nach Links, die etwa auf kriminelles Verhalten hinweisen.
  • 19 Prozent achten darauf, ob vertrauliche Informationen des letzten Arbeitgebers preisgegeben werden.

Zugleich gibt es immer mehr Dienstleister, die versprechen, – mehr oder weniger – Deine beschmutzte Weste wieder reinzuwaschen (Reputationsmanagement). Hierbei gibt es Anbieter bei denen Du für die Dienstleistung zahlen musst, bei anderen aber ist dies kostenlos. Rechtlich kannst Du nur etwas gegen unliebsam veröffentlichte Einträge machen, wenn diese von Dritten ohne Deine Zustimmung eingestellt wurden – und wenn der Seitenbetreiber bekannt ist. Andernfalls bleibt man auf guten Willen angewiesen.

Datenschutz & KI
Datenschutz & KI

Datenschutz und Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz setzt sich zunehmend im Alltag durch: Texte zusammenfassen, Betrugsversuche erkennen, Bilder beschreiben oder Suchanfragen beantworten. Gleichzeitig gilt: Alles, was Du in ein KI-System eingibst, kann datenschutzrechtlich relevant sein. Namen, E-Mail-Adressen, Gesundheitsdaten, Kundendaten, Fotos, Chatverläufe oder interne Dokumente gehören deshalb nicht unbedacht in Chatbots oder KI-Tools.
Auch beim Einsatz von KI in Unternehmen spielt Datenschutz nicht isoliert eine Rolle. Werden KI-Systeme eingeführt, die Arbeitsabläufe beeinflussen oder Daten von Beschäftigten verarbeiten – etwa zur Analyse, Auswertung oder Unterstützung von Entscheidungen –, können zusätzlich KI-Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats betroffen sein. Je nach Sichtweise blockiert daher Datenschutz mitunter den Fortschritt durch KI.

Besonders wichtig ist Datensparsamkeit. Gib nur die Informationen ein, die wirklich nötig sind. Ersetze echte Namen durch Platzhalter, kürze Dokumente auf den relevanten Teil und prüfe, ob der Anbieter Eingaben zu Trainingszwecken verwendet. Bei beruflicher Nutzung sollten zusätzlich Rechtsgrundlage, Auftragsverarbeitung, Speicherort, Löschfristen und Zugriffsrechte geklärt sein.

KI ist kein neutraler Tresor. Auch wenn ein Tool seriös wirkt, können falsche Antworten, unerwünschte Speicherung oder Weiterverarbeitung personenbezogener Daten problematisch sein. Die DSGVO gilt weiterhin, sobald personenbezogene Daten verarbeitet werden; der EU AI Act ergänzt diese Regeln für bestimmte KI-Systeme, ersetzt den Datenschutz aber nicht.
Neben Datenschutz und Mitbestimmungsrechten können je nach Einsatzbereich weitere gesetzliche Vorgaben relevant werden. Dazu zählen etwa der EU AI Act und – bei Plattformen oder digitalen Diensten – der Digital Services Act (DSA), der zusätzliche Transparenz- und Schutzpflichten regelt.

Quellen, weiterführende Links

Der Schutz persönlicher Daten (Datenwachschutz) wird ein zunehmend komplexeres Feld. Neue Soziale Netzwerke, neue Apps, neue Dienste, neue Betriebssysteme, Browser - das Internet entwickelt sich häufig schneller als Menschen und vor allem Gesetze sowie Rechtsverfolgung mithalten können.

Wir versuchen besuchenswerte, kurartiere weiterführende Seiten zusammenzustellen und aktuell zu halten. Sofern Du hier Rückmeldung oder Vorschläge hast, prüfen wir diese gerne.

Die generelle Tendenz freut uns, dass sich immer mehr Internetnutzer bewusst mit dem Schutz der eigenen Daten befassen und reflektiert damit umgehen. Auch professionalisiert sich die Anbieterseite im Bereich IT-Sicherheit und Datenschutz zunehmend, wie die recherchierbaren Angebote im Netz zeigen.
Das Internet muss also nicht abgeschafft werden.